Gemeindebrief

Trinitatis III -Epiphanias 2023

Liebe Mitglieder, liebe Freunde,

in diesem Jahr feiert die Christengemeinschaft 100-jähriges Bestehen seit ihrer Gründung am 16. September 1922. Hundert Jahre. Ist das viel oder wenig? Für die Geschichte des Christentums insgesamt ist es nicht viel, für die Erneuerung des Christentums – eine Menge: In diesen 100 Jahren wer- den, zum ersten Mal in der Geschichte, Frauen von Anfang an neben Männern zu Priestern geweiht. Weltweit gründen sich freie Gemeinden durch Menschen, die sowohl Transsubstantiation als auch Karma-Gedanken ernst nehmen. Zum ersten Mal in der Geschichte versuchen die Christen, Glauben und Erkenntnis zu leben, und das in Freiheit ohne Dogmen, ohne Kirchen-Lehre. Zum ersten Mal wird die Kommunion von Brot und Wein (hier: Traubensaft, auch das ist neu) bedingungslos an alle, die wollen, ausgeteilt. Die Gemeinden – bewusst Staat und Religion trennend – tragen sich finanziell aus den Spenden und Opfergaben der Mitglieder und Freunde. Die Priesterschaft gliedert sich in eine Hierarchie, die sich aus den einzelnen Aufgaben ergibt, kennt aber nur einen Weihegrad, die Priester sind demnach alle gleich. Die Priester werden in ihre Gemeinden entsandt und arbeiten in frei- er Gestaltung und Verantwortung mit den dortigen Mitgliedern und Freunden gemeinsam. Beim Vollzug des Kultus schauen alle bewusst in die gleiche Richtung. »Christus in uns« ist das Zentrum des sakramentalen Lebens.

Vor hundert Jahren wurde eine Bewegung inauguriert, die bemüht ist, das exoterische Christentum (Kirchengeschichte) und das esoterische Christentum (Mysterienstrom) zu vereinen. Sie bildet eine Christengemeinschaft, die von der Entwicklung des Menschen und des Gottes ausgeht und in der die Selbstbestimmung des Menschen nicht im Widerspruch zur Gottesgnade steht. Das alles, und so einiges mehr, geschieht meist still und in überschaubaren Menschenkreisen. In diesen hundert Jahren merkten wir: einiges, und es sind meist äußere Formen, vergeht, das andere aber, was im Inneren sich regt, besteht, um weiter durch Menschen-Wandlungen zu gehen.

Dr. Friedrich Rittelmeyer sagte 1936 bei einer großen Christengemeinschaftstagung in Köln in seiner Ansprache: »Dieser Saal vergeht. Wir Menschen vergehen. Unsere Erde vergeht. Welten werden vergehen. Aber was in der Tiefe und der Stille der Seele geschehen ist, das bleibt. Die größten Ereignisse sind nicht der Lärm der Welt, sondern ganz stille, tiefe Eindrücke, die wir empfangen haben, von denen wir nicht wussten, als wir sie empfingen, was sie uns jemals sein würden.

Nicht Worte, nur Musik könnte den Eindruck wiedergeben von der macht- vollen Welten-Symphonie, die über uns hineinbraust. In diesen Worten ist uns die ganze Zukunft der Menschheit verkündet.«
Die Entwicklung geht nun weiter. Mit Hölderlins Worten: »Es muss sich alles verjüngen, es muss von Grund aus anders sein; voll Ernst die Lust und heiter alle Arbeit! Nichts, auch das Kleinste, das Alltäglichste nicht ohne den Geist und die Götter!«

In diesem Sinne
herzlich verbunden und dankbar für unseren gemeinsamen Weg

Ihre Yaroslava Black und Ihr Ben Black