Gemeindebrief

Advent – Ostern 2020

Liebe Mitglieder, liebe Freunde,
in Goethes Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie müssen die Helden der Geschichte immer wieder einen Fluss überqueren. Sie können das auf verschiedenen Wegen machen: übersetzen mit dem Fuhrmann, der kein Gold für seine Dienste nimmt, reiten auf dem Schatten des Riesen, wobei man die richtige Stunde erwischen muss, oder über die grüne Schlange selbst gehen, die einmal am Tag zur leuchtenden Brücke wird. Alle diese Überquerungen des Wasserstroms machen nicht nur die Geschichte spannend, sondern bewirken Verwandlung, verändern das Schicksal der Helden. Was früher für sie nicht möglich war ereignet sich jetzt. Wir hören sie immer wieder sagen: Es ist an der Zeit.

Was aber genau „an der Zeit ist“ verraten sie uns nicht. Schlägt eine bestimmte Stunde? Oder verweist ein Blatt im Kalender auf ein bestimmtes, lange zuvor prophezeites Jahr? Das Märchen belehrt uns eines Besseren. Veränderungen geschehen aus dem einfachen Grund, weil Menschen und Wesen über den Fluss gehen. Das klingt sehr einfach, ist aber nicht harmlos. In diesem „hin und wieder zurück“ erfahren wir, wie das Schicksal des einen zum Schicksal des anderen wird: Die Irrlichter brauchen den Fuhrmann, die Schlange braucht die Irrlichter, die Alte braucht die schöne Lilie, die Könige brauchen den Lampenträger. Sie alle brauchen einander. Füreinander verlassen sie das Vertraute, gehen ein Risiko ein, begeben sich in Lebensgefahr, setzen sich in Bewegung. So geschieht Unvorhergesehenes; Schicksal wird erlöst; Naturgesetz wird aufgehoben. Das nennt man Wunder.

Das Schicksal stellt auch unserer Gemeinde die Herausforderung den Fluss zu überqueren. Aber weder müssen wir die Überquerung mit Zwiebeln und Artischocken bezahlen, noch dürfen wir Gold in den Rhein werfen. Es wird dadurch jedoch nicht weniger aufregend: die Luft knistert von Zukunftshoffnungen, der Boden unter den Füßen ist ein Wasserstrom. Wir entwickeln ein Feingefühl für Verwandlungen. Dennoch sind diese im Leben wie im Märchen nicht möglich, wenn man nur an seinem eigenen Schicksal interessiert ist. Das ist das kostbare Geheimnis der Gemeinschaft: handelt jeder seiner Bestimmung gemäß und trägt gleichzeitig im Bewusstsein das Ganze, dann gereichen die Eigentümlichkeiten und Eigenarten – der eine liebt Gold, der andere liebt Artischocken – am Ende zum Heil und Glück aller. Dann ist doch alles gut, sagt der Happy End Liebhaber in uns! Ja, wenn jeder von uns weiß, dass auch alle anderen an der Brücke interessiert sind. An einer Sache, die wir alle brauchen, an einer Kraft, die alles verbindet und frei lässt. Und natürlich geht es hier nicht nur um das rechte und linke Ufer des Rheins, sondern um alle Ufer, wo Wesen und Menschen, offenbar und unsichtbar, auf ein Übersetzen warten.

„Es ist an der Zeit. Die Weissagung von der Brücke ist erfüllt,“ sagte die grüne Schlange.

Es ist an der Zeit. Jeder Mensch ist eine Brücke.
Viele eigene Brückenerfahrungen, die zu Verwandlungen führen, wünschen herzlich
Ihre Yaroslava Black und Ihr Ben Black

Vortragsreihe: Erstes christliches Jahrtausend und die urchristliche Esoterik
Nach der gemeinsamen Beschäftigung mit den vorchristlichen vier Mysterien-Strömungen wollen wir in der Zeit weiter vorrücken und nach Verbindungen zu Mysterien im Urchristentum und den darin verborgenen Weisheiten suchen.

Der Bau beginnt!
Liebe Freunde, der Umbau unseres Hauses IONA kann beginnen. Das alte Haus steht leer. Viele Samstage hintereinander haben viele von Ihnen tatkräftig geholfen: packen, umziehen, Wesentliches von Unwesentlichem trennen, Müll abtransportieren, Türen ausheben, Parkettboden ausreißen, Bretter von den Wänden entfernen und vieles mehr. Diese bisherige selbst erbrachte Leistung wird auf 10.000 € geschätzt. Herzlichen Dank an alle! Aber das ist nur der Anfang. Hier die große Bitte an alle, die finanzielle Hilfe zugesagt haben: Wir brauchen jetzt alle zugesagten Gelder, die an den Baubeschluss oder den Baubeginn geknüpft worden waren. Wir brauchen mehr Eigenkapital!

Der Vorstand im Gebiet hat unser Projekt genehmigt und das ganze Gebiet steht dazu. Die Verhandlungen mit Banken über Leihgelder sind abgeschlossen. Wir bekommen zwei Kredite: den einen von der KfW-Bank (Festzins für 10 Jahre) und den anderen von der Sparkasse Köln-Bonn (Festzins für 20 Jahre). Das entspricht dem Wunsch der Gemeinde: es muss sicher und machbar für uns sein. Die Zusagen für die einzelnen Bauleistungen sind vorhanden. Unser Wirtschaftskreis wie auch der Gestaltungskreis arbeiten gemeinsam mit unserem Architekt Dietrich Bürgener und unserem Finanz-Kontroller Heiner Schmitz – von Beruf Architekt – unermüdlich an dem Projekt, damit wir unsere Ideen sinnvoll umsetzen können. Es kann also losgehen. Bitte, helfen Sie nach Kräften mit!

Sponsoring und Finanzen
Wir danken allen, die zu Gestaltung und Druck des Gemeindeprogramms beigetragen haben! Wer noch dazu beitragen möchte, ist herzlich eingeladen! Sprechen Sie uns an.

Liebe Freunde, wir dürfen auch während des Baus nicht vergessen, dass wir unseren Gemeinde-Haushalt verbessern wollten. Die ganze Zeit des Umbaus über haben wir gar keine Mieteinnahmen mehr, mit denen wir etwas ausgleichen könnten. So möchten wir sehr herzlich bitten, dass Sie sich für einen regelmäßigen Beitrag entschließen, falls Sie es noch nicht tun. Oder auch bedenken, ob es für Sie möglich ist ihn ein wenig zu erhöhen. Jede Mühe lohnt sich wirklich, denn nur zusammen schaffen wir es.

Schule des Sehens mit Edmund Tucholski
Edvard Munch in K20 Düsseldorf
Mit 140 selten oder noch nie in Deutschland gezeigten Werken präsentiert die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in K20 den norwegischen Maler Edvard Munch (1863–1944). Ausgewählt hat die Gemälde, Grafiken und Skulpturen der norwegische Schriftsteller Karl Ove Knausgård (*1968), dessen persönlicher Blick eine ungewohnte Perspektive auf Munchs Beschäftigung mit der Einbettung des Individuums in Natur und Gesellschaft eröffnet.

Treffpunkt: Samstag 18. Januar 2020, 15 Uhr
Foyer K20 Grabbeplatz Düsseldorf
Anmeldung: Edmund Tucholski Tel 02234 949 18 80
Edmund.tucholski@gmail.com

Konfirmanden  
Auch in diesem Jahr haben wir eine feine, lebendige Konfirmandengruppe. Mit ihr wollen wir nach Italien reisen und uns von Land und Werk Leonardo da Vincis inspirieren lassen. Wir brauchen wieder Ihre Unterstützung, kochen aber dafür sehr gerne, zum Beispiel für die Gemeindeversammlung am 22. März. Natürlich italienisch!

Irland-Sommerreise für Jugendliche
Liebe Jugendliche, liebe Eltern,
in den ersten drei Wochen der Schulferien im Sommer 2020 wollen wir wieder zu neuen Abenteuern aufbrechen! Uns zieht es in das Land von schöner Musik und wildem Meer, grünem Gras und Druidenweisheit, frechen Feen und freundlichen Menschen, uralten Dolmen und aus dem Wasser ragenden Basaltsäulen. Erforschen wollen wir alte vorchristliche Einweihungsstätten wie Newgrange oder Skellig Michael und nicht zuletzt die Heimat des edlen irischen Christentums, bevor es durch Rom zu Grunde ging. Wir wollen auch in Dublin auf den Straßen singen und das Book of Kells im Trinity College bewundern. Und, aufgepasst! In Dublin gibt es jetzt eine kleine junge Waldorfschule, also wer weiß, was wir noch alles miteinander unterwegs anstellen und in welche Geschichten wir unsere neugierigen Nasen stecken werden. Die Plätze sind wie immer begrenzt, darum: wer zuerst kommt, der singt in Dublin mit!

An der Stelle möchten wir allen, die unsere Jugendarbeit unterstützen, herzlich danken!  Dank Ihnen ist so viel möglich!

IONA-Reise 2021 von 26. Juli bis 5. August
Das Haus IONA geht nach IONA. Es ist höchste Zeit, dass wir den Namensgeber unseres Hauses besuchen. Die heutige schottische Insel Iona ist ein Kleinod im irischen Meer. Sie ist auch eine Geburtswiege des irischen Christentums, erfüllt von Licht und freiem Geist.  Dort wollen wir miteinander nicht nur die Vergangenheit beleben, sondern auch für die Zukunft neue Beweggründe finden. Wir werden in der alten Michaelskapelle zelebrieren, singen, die Insel erwandern, einen Ausflug auf die Insel Staffa machen und miteinander reden. Da wir diese Reise lange im Voraus planen müssen, bitten wir Sie, falls Interesse besteht, sich auch bald anzumelden. Die Insel ist klein und bietet nur wenige Unterkunftsmöglichkeiten. Die Anzahl der Reisenden wird deshalb davon abhängen. Sagen Sie uns bitte Bescheid, oder melden Sie sich direkt beim Herrn Tucholski, der diese Reise mit vorbereitet.

Religion des Kindes – Überkonfessionelles Christentum 
Religion – ist nicht Konfession
Viele wehren sich heute gegen Religion, weil sie es mit alten Konfessionen gleichsetzen, mit Kirchenmuff und Unaufgeklärt-Sein. Religion hat aber nicht viel mit Konfession zu tun. Religion ist eine edle Sehnsucht der Seele sich mit dem Höheren zu verbinden. Seit alten Zeiten bedeutete Religion für die Menschen eine Brücke zu bauen. Das, was getrennt war, zu verbinden, um eine Ganzheit herzustellen: Mensch und Gott, Himmel und Erde, Geist und Materie, Erkenntnis und Glaube. Es ist eine Kraft, die uns in allen Zeiten und Kulturen vertraut war. Wir können sie heute auch nennen: eine Kraft, die Glaube und Erkenntnis wahr macht. Nach ihr suchen wir. Sie verbirgt sich in verschiedenen Gewändern, nimmt andere Formen an.

Und das Kind?
Ein neugeborenes Kind ist von Natur aus religiös. Es ist eins mit seiner Umgebung. Die große Einheit, die alles durchzieht, sucht das heranwachsende Kind in Stein, Pflanze und Tier. Es sucht sie in der allergrößten Kraft, die alles zusammen hält: in der Kraft der menschlichen Liebe. Wir Erwachsenen bemühen uns diese Kraft dem Kind vorzuleben.

Religiöses Empfinden entsteht aus dem Vorleben. Was ein Kind von Erwachsenen an hohen Idealen erlebt – das Schöne, das Wahre, das Gute – wird später in seinem Leben für es zum Wollen des Schönen, Wahren und Guten. Diese drei aber haben ihren Ursprung nicht in der materiellen Welt, sondern wurzeln im Geistigen. Helfen wir Kindern diese drei Bereiche zu erfahren, sich zu ihnen zu erheben, bilden wir ganz real eine sinnvolle Zukunft für uns alle.

Feste für Kinder
Kinder lieben Feste. Man braucht nur zu sagen: bald ist Advent oder bald ist Weihnachten – schon ist die Freude da. Sie leuchtet aus den Augen, färbt die Wangen rot, lässt das Herz hüpfen. Warum lieben Kinder die Feste so sehr? Warum suchen sie im Alltäglichen das Wunder und den Zauber? Und wie ist es zu verstehen, dass dieses Wunder zugleich ein Menschenwerk ist: geschmückte Räume, gesungene Lieder, angezündete Kerzen? Oder wirken in diese verwandelten Räume noch andere Kräfte hinein, die weder der Natur noch der Kultur entspringen und doch den beiden zugrunde liegen?

Feste sind große Geheimnisse. Und die Kinder fühlen es. Sie ahnen vielleicht, dass Feste feiern im Äußeren und Mensch werden im Inneren miteinander zusammenhängen. Wir erleben durch den ganzen Jahreslauf hindurch eine Veränderung in der Natur. Sie hilft. Aber sie ist nicht die ganze Wirklichkeit. Wir erfahren eine Verwandlung gerade dadurch, dass wir uns berühren lassen von einer viel höheren Wirklichkeit als die, die in der Natur ruht. Darum zünden wir ein Licht an, wenn es finster wird, singen in die Stille hinein, berühren mit Wort und Wärme, staunen, bewundern, danken. Das sind wahre Geschenke des Lebens.

Erfahrung mit Schwellenerlebnissen
Kinder und Jugendliche haben heute eine starke Sehnsucht nach Schwellenerlebnissen. Viel stärker als es je in der Geschichte war. Darum suchen sie recht früh nach Grenzerfahrungen, wollen sich auf die Probe stellen, möchten auch von der Erwachsenen wissen: Kennst du deine Grenze? Sind dir Schwellenerlebnisse bekannt? Und zwar so, dass du deine eigene Freiheit dabei nicht verlierst.

Grenzen zu überschreiten schafft Vertrauen in sich selbst und in die Menschen, die einen dabei liebevoll begleiten. Es gibt einem Sicherheit: das Leben hat einen Sinn; die Menschen sind gut; ich bin ein Teil dieser Welt und kann in ihr meine eigene Bestimmung finden.

Für die Jugendlichen können solche Erfahrungen durch den gemeinsamen Weg zur Konfirmation, auch durch gemeinsame Erlebnisreisen geweckt und gestärkt werden. Für die kleineren Schulkinder durch die Schwellenerlebnisse am Altar am Sonntag, durch Feiern der Feste, durch die Taufe. Denn alles das kostet jedes Mal Überwindung. Jedes Mal ist es ein neues Abenteuer, eine neue Suche, die bejaht werden will: Ich will suchen! Das ist ein mutiges Bekenntnis des Kindes immer tätig zu sein, nie müde zu werden, nicht aufzugeben. Das stärkt den Willen. Das führt auf oft geheimnisvollen Wegen und Umwegen zu sich selbst.

Erwachsene helfen, indem sie freie Räume schaffen, wo diese Erfahrungen möglich sind, wo dem Kind Lebenskraft entgegenkommen kann.

Lehrer der Liebe
Glücklich sind Kinder, die liebevolle Erwachsene um sich haben. Gerne lernen sie alles, was diese geliebte Autorität ihnen vorlebt. Sie werden als wahr erkennen können, was der gute Lehrer als wahr empfindet. Sie werden die anderen Menschen schätzen und anerkennen, wenn die geliebte Autorität sie schätzt und anerkennt. Achtung und Wertschätzung sind heilend.

Durch die christlichen Jahresfeste und durch die Andacht am Altar lernen Kinder, dass es den allergrößten Lehrer der Liebe gibt: von Ihm hören sie im Evangelium, zu Ihm bauen sie eine innige Beziehung auf: allein und in Gemeinschaft mit anderen Menschen. Diese Beziehungen werden geknüpft, still und oft unbemerkbar für andere – und immer wieder lernen wollen von dem großen Lehrer der Liebe und der Freiheit.